Da nun die ersten Schulklassen den Parcours durchlaufen haben und auch die Presse bereits einen Einblick in unser „Experiment“ erhalten hat, ist es jetzt an der Zeit unsere ersten Eindrücke zu dokumentieren. Wir haben den Begriff Experiment bewusst gewählt, da die von uns benutzten, erlebbaren Inhalte auf jeden anders wirken und andere/neue Sichtweisen auf bekannte Themen und gewohntes hervorrufen. Die von uns ausgewählten Themen, wie beispielsweise Sucht, Mobbing oder Sexualität in Medien rufen bei den teilnehmenden Schülern und Schülerinnen auf unterschiedlichen Ebenen Emotionen oder Handlungen aus. Näheres dazu bei der Beschreibung zu den einzelnen Stationen.

Station Begrüssung

Nachdem die Schulklassen das Greyhound Pier 1 erreicht haben werden sie von uns begrüsst und von 2 Betreuern langsam auf das Thema Medien eingestimmt. Hierzu werden zunächst Fragen zum eigenen Konsum von Medien und deren Anwendung im Bezug auf Jugendrelevante oder besser lebensweltorientierte Themata gelenkt. „…..als erstes nehmen wir euch mal eure HANDYS weg….“ Diese landen dann in einem Acrylglaswürfel und klingeln, brummen da für jeden sichtbar vor sich hin. Nachdem die Schüler diesen Verlust verkraftet haben, werden Fragen wie Beispielsweise: „…welche Medien kennt ihr…. ?“ oder „…wie hilft euch das Internet bei den Hausaufgaben ….. hilft es überhaupt….?“ gestellt.

Der zu erörternde Inhalt wird meist von den Jugendlichen vorgegeben und von uns moderiert. Je nach Gruppengröße ist auch das errichten von Lernstationen um Themen genauer zu beleuchten

„ … das ist als müsste ich meinen Arm abgeben…“

Dennis, 16 Jahre

und nach dem Parcours zu diskutieren möglich. In jedem Fall wird das in dieser Station erarbeitete Material in der Reflexionsrunde erneut besprochen.

Bevor es nun in die einzelnen Stationen des Parcours geht, werden die Gruppen nochmals unterteilt, es werden die von uns vorbereiteten Klemmbretter verteilt und deren Handhabung erklärt. Die beiden Gruppen versammeln sich nun vor der ersten Projektionsfläche um neben den Live Moderatoren nun endlich auch die beiden virtuellen Moderatoren Timo und Alina kennen zu lernen.

Die Reihenfolge der Stationen variiert je nach Gruppengröße und der Zusammenstellung des Moderatorenteams.


Station Sex und Gewalt

Die Station Sex und Gewalt vermittelt durch die installierte Tape-Art ein Gefühl von Beklommenheit, ein Motiv ist beispielsweise eine junge Frau, welche an Fäden mit der übrigen Szenographie verschmilzt. Den Mittelpunkt dieser Station bildet jedoch eine Projektionsfläche. Hier wird nachdem unsere Virtuellen Moderatoren kurz auf das Thema einstimmen die Stimmung meist sehr ruhig und die Teilnehmer lassen sich auf den gezeigten selbst produzierten Film zu diesem Thema ein. Dieser wurde von uns gefilmt und eingesprochen und von Nils Kemmerling zusammengeschnitten. Inhaltlich versucht der Film Audio-Visuell einen Chatverlauf darzustellen in dem sich ein scheinbar erwachsener Mann mit einem 14 Jährigem Mädchen verabredet. Dieser Sachverhalt wird von den Jugendlichen meist als Klassiker beschrieben und mit Sätzen wie: „…lame, kennen wir schon…..“ abgetan. Ziel dieser Station wie auch bei allen anderen Stationen ist nicht das offensichtliche sondern mehr der Anstoss zu einer offenen Diskussion über Respekt vor dem anderen/eigenen Geschlecht, Pornos und dem falschen Bild welches sie in den Köpfen von Kindern erzeugen.


„…ein drittel des Internets besteht aus pornos Digger normal…“

Aydin, 15 Jahre


Station Sucht


„…wenn ich etwas zu krass feier, kann mich das abhängig machen WTF…“

Samy, 16 Jahre


Auch diese Station welche durch die augenscheinlich „wirr“ beklebten Wände den Eindruck von Unordnung und Enge vermittelt, transportiert die von uns erdachte Wirkung bereits nach dem Betreten der Station. Die Isolationskabinen welche mit schwarzem Molton verhüllt sind fallen den Teilnehmern meist nicht auf. „…das ist hier wie in so ner Zockerhöhle im Keller….“ Nachdem die beiden virtuellen Moderatoren, Timo und Alina eine kurze Einführung in die Thematik Sucht und deren Auswirkung auf den Süchtigen und sein Soziales Umfeld gegeben haben, können die Schüler und Schülerinnen am eigenen Leib erfahren wie es ist isoliert und alleine zu sein. In den Kabinen ist es nicht nur dunkel, die von uns Installierten Aktivboxen in den einzelnen Kabinen, simulieren über einen leisen, kaum wahrnehmbaren Pfeifton einen Tinnitus. „…das Geräusch geht mir derbe auf den Sack…..lass mich hier raus….“ Während vier Teilnehmer in den Kabinen stehen, haben die anderen, den Auftrag erhalten ihre Mitschüler nach 3 min aus den Kabinen zu befreien. Diese scheinbar kleine Geste symbolisiert nochmals wie wichtig Freunde in diesen Situationen sind.


Die gesamte Dokumentation kann bei uns im Greyhound eingesehen werden.